Seit mehr als einem Jahrzehnt wird über den baulichen Zustand und die eventuelle Umnutzung des Höchl-Schlössls im Kommunalparlament debattiert und mit der Stadt verhandelt. Unlängst fand nach mehrmaliger Terminverschiebung endlich eine Beratung vor Ort unter Beteiligung von Mitgliedern des Bezirksausschusses, der Geschäftsführung der Münchner Wohnen. Des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und des Regionalausschusses Oberbayern des Landesdenkmalrats statt.

Dazu der einstimmig gefasste Beschluss der Stadtteilvertreter: Der Bezirksausschusses hält den Leerstand von Wohnflächen in dieser Lage für inakzeptabel und fordert das Kommunalreferat zum raschen Handeln auf. Es wird gebeten, eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten, die die Kosten einer Komplettsanierung sowie einer provisorischen Teilrenovierung der leerstehenden Wohnungen ermittelt. Darüber hinaus ist planerisch zu prüfen, ob durch Umgestaltung der Erdgeschossebene eine Nutzung für künstlerische Zwecke (Vorträge, Konzerte) im Stadtbezirk geschaffen werden kann.

Robert Brannekämper, CSU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Untergremiums Stadtplanung, erklärte: „Es kann nicht sein, dass seit Jahren zwei von sieben Wohnungen leer stehen.“ Nach Auffassung von Brannekämper, der Architektur studiert hat, dürfte eine Komplettsanierung „bis zu zehn Millionen Euro verschlingen.“

Beim einst herrschaftlichen Höchl-Schlössl an der Odinstraße 29 (Rückseite der Klinik Bogenhausen) handelt es sich um eine ehemalige Künstlervilla, einen dreigeschossigen klassizistischen Flachsatteldach-Bau mit Mittelpavillon mit Dachreiter und zweigeschossigen Walmdach-Seitenflügeln.

Das Schlössl hieß einstmals „Villa am Priel“. Priel ist ein kleiner Ortsteil von Bogenhausen oberhalb der Herzogparks. Anno 1852 hatte der Maler und Kunstmäzen Anton Höchl, ein wohlhabender Ziegeleibesitzer, das Anwesen seines Vaters, des Stadtbaumeisters Joseph Höchl, zu einer Villa – Postadresse damals Am Priel 4 – ausbauen lassen. Das Haus wird seitdem kurz Höchl-Schlössl genannt. Es war einst Treffpunkt von Künstlern und Adeligen, darunter Herzog Max von Bayern, Vater der Kaiserin Sissi von Österreich.

Höchls Erben hatten 1926 das Gebäude samt 45 Hektar Grund an die Stadt München verkauft. 1957 wurde das Haus in Wohnungen unterteilt. Heute befinden sich in dem von der städtischen Gesellschaft München Wohnen verwalteten Gebäude mehrere preiswerte Sozialwohnungen. Schon 2018 hatten die Lokalpolitiker beschlossen: „Dem Bezirksausschuss, der langfristig eine bürgerschaftliche und kulturelle Nutzung dieses Gebäudes anstrebt, ist am Erhalt dieses Denkmals gelegen“.

Das Höchl-Schlössl an der Odinstraße (im Bild die Eingangsseite) hinter dem Krankenhaus Bogenhausen war Mitte des 19. Jahrhunderts Treffpunkt vieler Künstler um den Mäzen Anton Höchl. In dem Gebäude sind sieben Sozialwohnungen untergebracht. Die Substanz des Schlössls ist marode.    Foto: hgb