Keine Tagung des Bezirksausschusses ohne Bauanträge. Viele Vorhaben sind privat – ein An-, ein Aus-, ein Neubau – mit ein, zwei, drei Wohneinheiten. In der Vergangenheit mussten sich die Lokalpolitiker aber auch regelmäßig mit größeren Projekten befassen. Manche von ihnen „laufen aktuell“, andere sind, aus welchen Gründen auch immer, „archiviert“. Eine Bestandsaufnahme – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – mit knapp 1900 Wohneinheiten. Mehr als es im Wohnquartier Prinz-Eugen-Park gibt!
• Mariengärten: Auf dem rund 4,75 Hektar großen Geith & Niggl-Areal (unweit der S-Bahn-Haltestelle, Marienburger – / Englschalkinger – / Memeler Straße, derzeit landwirtschaftlich und gewerblich genutzt) wird in den kommenden Jahren ein neues Wohnquartier entstehen. Im ersten Abschnitt sollen 472 Wohneinheiten (44 840 Quadratmeter Gesamtfläche) mit einer Tiefgarage für 328 Auto- und Radstellplätzen gebaut werden. 188 Fahrzeugstellplätze sind den Wohnungen zugeordnet, 140 für Nutzer von sonstigen Einrichtungen wie Kita, Einzelhandel, Gastronomie und auch Besuchern vorgesehen. Für den zweiten Abschnitt sind weitere 50 bis 80 Wohneinheiten angedacht.
• Eggenfeldener Straße: Ein Hochhaus mit angedachten 15 Stockwerken, 380 Wohnungen samt Infrastruktureinrichtungen wie Kindertagesstätte und Supermarkt dazu Büros und andere Gewerbeeinheiten sowie Grün- und Freiflächen sind auf dem knapp sechs Hektar großen Gelände zwischen Eggenfeldener -, Töginger Straße (A 94) und östlich der Hultschiner Straße geplant. Das Verfahren läuft seit Jahren. Ob’s 2026 weiter geht?
• Cosima- / Ecke Meistersingerstraße 26: Bald sind’s vier Jahre, dass das halbfertige Gebäude (im Kommunalparlament wurden sechs Wohneinheiten genannt) vergammelt. Im September 2017 war die Genehmigung für einen Neubau erteilt worden. Angeblich ist der Bauherr pleite. Bis dato kann die Stadt nichts machen. Aber: Gemäß Artikel 69 der Bayerischen Bauordnung (BayBO) ist geregelt, dass eine Baugenehmigung erlischt, wenn die Bauausführung vier Jahre unterbrochen worden ist. Indes: Die Frist kann auf schriftlichen Antrag um bis zu vier Jahre verlängert werden.
• Eggenfeldener – / Ecke Friedrich-Eckart-Straße 2 (Areal ehemalige Esso-Tankstelle): Eine dreistöckige Anlage mit 26 Wohnungen samt Tiefgarage ist vom Planungsreferat genehmigt. Der Vorbescheid datiert vom 23. Januar 2017! Laut einem Lokalpolitiker ist der Bauherr pleite. Was wird aus der Brache?
• Freischützgärten / An den Winterlinden: Im April 2016 wurde der Trakt an der Ecke Freischütz- / Johanneskirchner Straße erstmals verkauft – bis dato sind’s vier verschiedene Eigentümer. Sanierung, Abriss, Neubau und wieder Sanierung und so weiter – die Pläne der Investoren reichten von 80 bis 160 Wohneinheiten, eben das volle „Programm“. Aktuelle Besitzerin ist eine Tochtergesellschaft der CG Group des Immobilienunternehmens Christoph Gröner. Finanzielle Schwierigkeiten und Insolvenzverfahren des Konzerns führten zum Stillstand auf der Baustelle, seit Jahren vergammelt der Block trotz diverser Weiterführungszusagen, hat sich zu einem Schandfleck „gemausert“, eine Bauruine erster Klasse. Während am Benko-Block in der Innenstadt und am Sendlinger Loch inzwischen wieder gearbeitet wird, nagt an dem Torso in Johanneskirchen Wind, Schnee und Frost an der Substanz. Ob noch etwas zu retten ist – dickes Fragezeichen.
• Arabellastraße 26 (Grünes Hochhaus): 2015 hatten die Kommission für Stadtgestaltung und das Bogenhauser Kommunalparlament das Projekt an der Arabellastraße 26 gutgeheißen, 2020 hatte der Stadtrat grünes Licht erteilt für einen 52 Meter hohen, begrünten Tower, 16 Stockwerke, mit Balkonen und Loggien. In den unteren fünf Etagen sind gewerbliche Nutzungen wie Büros, Beherbergung und Gastronomie vorgesehen. In den folgenden elf Geschossen sind 40 Wohnungen und ein Gemeinschaftsraum mit Dachterrasse für die Bewohner geplant. Wann genau der Baustart erfolgt, ist noch offen. Die Bauzeit wird etwa drei Jahre dauern. Der Baubeginn – kalkulierte Bauzeit etwa drei Jahre – zuletzt für Anfang 2023 (Abbruch des Altbestands) vorgesehen, wurde mehrfach verschoben. Die Ursache: „Baukostenentwicklung und die Zinslandschaft.“
• Denninger Straße 96: Am Fahrbahnrand – zwischen der Einfahrt zum Forum Bogenhausen und dem Fußweg zum Anger – wollte, Stand März 2012 / will noch? – der Eigentümer auf dem Grundstück des versperrten Parkplatzes mit einst 17 Stellplätzen vor den Gebäuden Denninger Straße 96 ein sechsstöckiges, schlankes Hochhaus mit Kindertagesstätte, mit sieben großen Mietwohnungen und Tiefgarage mit rund 30 Stellplätzen errichten. Stand heute: vergammelte Parkfläche, darauf ein Wohnmobil.
• Burgauer – / Ecke Rappelhofstraße: Auf dem Grundstück sind vier Mehrfamilienhäuser mit 47 Wohneinheiten plus Tiefgarage mit 47 Stellplätzen geplant. Der Beschuss des Bezirksausschusses im Dezember: Baumfällungen auf dem Nachbargrundstück werden abgelehnt. Und: Das Planungsreferat / Lokalbaukommission (LBK) soll prüfen, „ob die Tiefgarage verstärkt unter den Baukörpern situiert werden kann.“
• Gumppenbergstraße 5: Im ersten Entwurf vom Herbst 2021 wurden auf dem einstigen Gärtnereigelände 63 Wohnungen geplant, der zweite präsentierte Plan sieht zwei Mehrfamilienhäuser mit 43 Wohneinheiten plus Tiefgarage vor. Ein Lokalpolitiker bezeichnete das Projekt als „Riesenkasten“. Die Lokalpolitiker erachteten das Projekt als „extrem kritisch“. Bis dato „ruht“ das Vorhaben.
• Scheinerstraße (ehemalige Schreiberklinik): Bis 2017 haben hier Ärzte und Krankenschwestern jährlich mehr als 3000 Patienten behandelt und betreut. Dann wurde die Klinik geschlossen, der u-förmige Komplex verkauft. Genauer: mehrmals verkauft. Eine Luxusresidenz mit mehr als 50 Appartements war geplant, später dann Eigentumswohnungen. Klappte aber nicht, denn die Vorgabe der Stadt war eine „klinikähnliche Nutzung.“ Die Gesellschaft des letzten Investors musste Insolvenz anmelden. Inzwischen hat angeblich ein Unternehmen mit Sitz in Luxemburg das entkernte Gebäude erworben, (wieder) sind vermeintlich Seniorenwohnungen geplant. Planvorlage im Kommunalparlament – Fehlanzeige, bis dato!
• Cosima- / Ecke Johanneskirchner Straße: Seit knapp acht Jahren gibt es diverse, verworfene Pläne zur Nutzung der Brache. Die jüngsten Vorlagen im vergangenen April brachten die Lokalpolitiker so richtig aus der Fassung: An der Arealecke sehen die Planungen einen „Hochpunkt“ vor – sechskantig, je Seite vier Fenster, klobiger Körper, 14 Geschosse, etwa 45 Meter hoch. Gemäß Baubeschreibung 247 Wohneinheiten auf 16 400 Quadratmeter Wohnfläche, 1370 Quadratmeter Einzelhandel, knapp 200 Tiefgaragenplätze.
Kommentar von Robert Brannekämper, CSU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Untergremiums Planung: „Das erinnert an DDR-Architektur, vorne steht ein DDR-Klotz.“
Gleichwohl: Einen Hochpunkt, einen Turm, maximal 22,80 Meter, so hoch wie die Nachbarbebauung, können sich die Stadtteilvertreter grundsätzlich schon vorstellen, aber eben deutlich geschrumpft. Denn laut Brannekämper besteht Baurecht für sieben Geschosse. So hoch sollen übrigens auch die seitlich angrenzenden Blöcke entsprechend der eingereichten Unterlagen werden … Projekt abgelehnt.
• Mauerkirchnerstraße 17: Bei der Juli-Tagung 2023 des Kommunalparlaments tauchte das Projekt erstmals auf: Neubau eines fünfgeschossigen Wohngebäudes mit elf Wohnungen sowie Tiefgarage, Wohnungserweiterungen am Bestand mit Neuerrichtung von Balkonen, Rückbau von oberirdischen Garagenanteilen und Umbau Zufahrtsrampe im EG. Die Folge: Empörung, Proteste und Wut vieler betroffener Mieter gegen eine Innenhofbebauung. Beschluss: „Ablehnung und Zurückweisung“ des Vorhabens.
Mitte August 2023:Der Eigentümer zieht den Antrag auf Vorbescheid bei der LBK zurück, „das Bauvorhaben soll noch überdacht werden.“
November 2023: Die LBK hat bis zum Entscheid der Denkmalfrage alle Baumaßnahmen gestoppt.
Mitte Januar 2024:Zweiter Bauantrag – einstimmiger Beschluss: „Der Bezirksausschuss lehnt das Projekt weiterhin ab, besonders wegen zu großer Massivität des rückwärtigen Baukörpers, der zu einem großen Eingriff in den Grünbestand des Hinterhofs führt.“
Mitte April 2024: Mitteilung des Landesamts für Denkmalschutz an die LBK: Die Gebäude Mauerkircherstraße 17 und 19 werden unter Denkmalschutz gestellt.
Mitte September 2025: Laut einem „SZ“-Bericht haben Arbeiter Holztüren und Türzargen abtransportiert. Alarmierte Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde stoppten die weiteren Arbeiten.
9. Oktober 2025 – dritter Bauantrag. Brannekämper: „Grotesk was hier abläuft. Es könnte jetzt leider Baurecht geben. Das neue Gebäude hat fast die gleiche Höhe wie das vordere Gebäude, eine wahnsinnige Baumasse. Ich gehe davon aus, dass das nicht genehmigt wird. Aber wenn der Eigentümer alles einen Tick kleiner macht, was ist dann?“
13. Oktober 2025: Ortstermin Verwaltungsgericht / Landesamt für Denkmalschutz. Anlass ist die Klage des Investors wegen des verhängten Baustopps für einen vierstöckigen Neubau im Hinterhof. Folgend vor Gericht: Der Bauantrag ist nicht korrekt.
14. Oktober 2025: „Der Bezirksausschuss lehnt das Projekt ab. Sind die Pläne des Investors gescheitert? Kaum anzunehmen, dass er aufgibt.
• Warthestraße 1: Im Juli 2015 lag den Kommunalpolitikern ein Bauantrag für drei Gebäude mit maximal 100 neuen Wohnungen, Tiefgarage sowie Flächen für den Einzelhandel von der Deutschen Annington – inzwischen Vonovia – auf dem Areal an der Ecke zur Denninger Straße vor. Dann, im Februar 2025: „Es sind 50 Mietwohnungen geplant“ – so der Architekt. Das Vorhaben: Ein vierstöckiger Riegel entlang der Warthestraße auf der Wiese, dem Parkplatz, auf dem Gelände des Biomarkts und der Gaststätte. Nach hinten Richtung Denninger Straße: ein siebenstöckiges Hochhaus. Alle oberirdischen Parkplätze verschwinden, Stellplätze gibt’s dann einmal einer Tiefgarage.
• Arabellastraße 34 / Denninger Straße 35 +37: Neubau für Büro- / Gewerbenutzung mit Teilerhalt der Bestandsstrukturen für Wohnen und Tiefgarage – Vorbescheid, Antrag der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), die an der Richard-Strauss-Straße ihre neue Verwaltungszentrale baut. Laut Vorstellung soll es bei rund 19 600 Quadratmeter Bürofläche bleiben plus eine Fläche im Erdgeschoss für Gastronomie plus circa 6500 Quadratmeter Wohnfläche durch Aufstockung – bis zu 100 Einheiten!
• Stefan-George-Ring 2: Sensationeller Plan, datiert vom Juli 2023, des Konzerns Rock Capital Group für den knapp 4900 Quadratmeter großen Gewerbekomplex MK3 im Zamilapark – Erweiterung eines Bestandsgebäudes mit Nutzungsänderung von Büroeinheiten in Wohnraumnutzungen plus Gewerbe mit Einzelhandel.“ Angaben laut Vorbescheid: Aufstockung um zwei bis drei Geschosse, maximale Gebäudehöhe 32,55 Meter für 318 Wohneinheiten (davon 94 gefördert; gesamt knapp 29 000 Quadratmeter, alle Mietwohnungen) samt gemeinschaftlichen Dachgärten und Dachterrassen, einer Kindertagesstätte mit 670 Quadratmeter Freispielgelände und Geschäften / Vollsortimenter. Stellplätze werden in der Bestandstiefgarage nachgewiesen.

