Seit etwa einem Jahr wird Stamm um Stamm, Balken um Balken zugeschnitten, per Kran hochgehievt und dann verschraubt. Die Arbeiten gehen also extrem langsam voran. Aktuell sind auf der Baustelle keine Monteure zu sehen. Bezug ist das Projekt der Russisch-orthodoxen Kirche auf dem Grundstück Knappertsbuschstraße 26, parallel zur Grundschule, in Nachbarschaft zum Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium. Gleichwohl zeichnen sich nun die Umrisse der Holzkapelle ab.
Passt das Gotteshaus in die Umgebung der Schulen und der umgebenden Wohnquartiere? Wohl, wie seit Jahren moniert, mehr kaum. Gleichwohl: Die Nutzung des Geländes, einst im Besitz der katholischen Kirche, ist im Bebauungsplan aus dem Jahr 1966 mit „katholische Kirche“ festgesetzt.
Ab Juni 2010 war eine (genehmigte) Kirche samt 32 Meter hohem Turm, mit einem Zentrum für 300 Personen plus Kita plus Seniorenhaus in diversen Varianten – damals geschätzte Baukosten etwa zehn Millionen Euro – geplant. Diese Vorhaben „im Stil des vorigen Jahrhunderts“, so ein Lokalpolitiker, wurden dann nach und nach – wohl aus finanziellen Gründen – „ad acta gelegt“, so seinerzeit Kirchenvertreter Matthias Kobro auf Nachfrage. Im Juli 2023 wurde schließlich das Fundament für eine Holzkapelle betoniert – 150 Quadratmeter Grundfläche, 15 Meter lang, 14 Meter breit (Ausmaß also 210 Quadratmeter), Dachkante acht Meter, Höhe mit Kuppel 20 Meter. Mehr als ein Dutzend Bäume am Arealrand wurden für das Projekt gefällt.
Zu verlangten Besucherzahlen und zum zusätzlichen Verkehr samt Parkplatzaspekten machten die Kirchenvertreter bis heute dem Bezirksausschuss trotz Aufforderung keine Angaben. Auch zu einer diesbezüglichen Forderung der Lokalpolitiker an das Planungsreferat / die Lokalbaukommission (LBK) liegt keine Antwort vor. Und das, obwohl vor Jahren Robert Brannekämper, CSU-Landtagsabgeordneter, betont hatte, dass „die LBK die Verkehrsströme und der den Stellplatzbedarf vor Genehmigung der Holzkapelle klären muss“.
Warum eigentlich ein Holzbau? Kobro hatte dazu erklärt: „Das hat nichts mit dem hiesigen Trend zu tun. In Russland sind viele Kapellen aus Holz, für uns ist das ein Stück Heimat.“ Er betonte zudem: „Wir wollen uns in München einfügen.“ Anzunehmen ist, dass russische Förderer den Geldhahn zugedreht haben.

