Tunnel Englischer Garten: Geld aus Berlin

15. März 2017

Ein großer Schritt – besser der nächste große Schritt – für die Vision Wiedervereinigung des durch den Mittleren Ring getrennten Englischen Gartens und den Bau einer Autoröhre. Das Bundesum­weltministerium beteiligt sich im Rahmen des Förderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus 2017“ an den Planungskosten. Die Stadt wird mit 2,67 Millionen Euro unterstützt, um wieder eine zusammenhängende Fläche schaffen zu können. Ende 2013 hatten sich bei einer Infratest-Umfrage 83 Prozent der Münchner dafür ausgesprochen.

Bereits im vergangenen Juli hatten der Freistaat und das bayerischen Finanzministerium zugesagt, sich an dem Projekt mit 35 Millionen Euro zu beteiligen. Die Kosten des Vorhabens schätzen Experten der Stadt auf 120 bis 125 Millionen Euro. Die Bürgerinitiative „Ein Englischer Garten“ – die Idee stammt von den Schwabinger Architekten Petra Lejeune und Hermann Grub – geht bislang von einem Betrag unter 100 Millionen Euro aus. Aus fachlicher Sicht handelt es sich bei der Maßnahme übrigens „nur“ um eine Unterführung, weil die Passage kürzer als 400 Meter ist.

Das Ehepaar Lejeune/Grub plädiert seit Jahren für eine rasche Klärung der Finanzierungsfragen und parallel dazu für Untersuchungen und Planung des Vorhabens. Eine schnelle Einigung auf politischer Ebene vorausgesetzt – der Stadtrat müsste dazu noch vor der Sommerpause die Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung einleiten – könnte wohl frühestens 2020 der Startschuss fallen. Für den Bau selbst kalkulieren Fachleute mit einer Dauer von mindestens vier Jahren.

Auch der Bezirksausschuss Bogenhausen hatte auf Antrag der CSU-Fraktion nach Initiative von Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender des Kommunalparlaments und CSU-Landtagsabgeordneter, von der Stadt gefordert, „im Rahmen des Handlungsprogramms Mittlerer Ring den Tunnel auf Höhe des Englischen Gartens in Zusammenhang mit dem Richard-Strauss-Tunnel bei der Priorisierung der weiteren Maßnahmen vorne einzubringen“, um die verkehrliche Entlastung hinreichend zu berücksichtigen. Kurzum: Die Unterführung vorrangig errichten.

Ist-Zustand auf dem Isarring mit Blickrichtung Bogenhausen (li.) und Vision mit Unterführung und Wiedervereinigung des Englischen Gartens.        Visualisierung/Foto: : Bürgerinitiative „Ein Englischer Garten“

Ist-Zustand auf dem Isarring mit Blickrichtung Bogenhausen (li.) und Vision mit Unterführung und Wiedervereinigung des Englischen Gartens. Visualisierung/Foto: : Bürgerinitiative „Ein Englischer Garten“

Zum Hintergrund: 1966 wurde der Englische Garten durch den Bau des Mittleren Rings zweigeteilt. Mit Eröffnung des 1500 Meter langen Richard-Strauss-Tunnels Mitte Juli 2009 hatte sich die Ver­kehrsbelastung auf dem Ring-Abschnitt wesentlich erhöht, Experten schätzen die Zunahme auf mehr als 40 Prozent.

Bei einer Zählung vor fast sechs Jahren wurden binnen 24 Stunden mehr als 110 000 Fahrzeuge registriert. Inzwischen ist der Isarring dreispurig ausgebaut, fädeln die Fahrzeu­ge von der Ifflandstraße kommend in Richtung Schwabing nahtlos ein, fließt der Verkehr meist nahezu reibungslos. Letztlich dürfte somit die Belastung bis dato gegenüber 2011 stark zugenom­men haben.

Alexander MihatschTunnel Englischer Garten: Geld aus Berlin