Dialog Displays: Test ab 11. September

27. April 2018

Bei den Grundschulen an der Oberföhringer- und an der Ostpreußenstraße, so haben es die Mit­glieder des Bezirksausschusses beschlossen, sollen von der Stadt Dialog-Display-Anlagen aufge­stellt werden, um Autofahrer zu mahnen, das vorgeschriebene Tempo 30 km/h einzuhalten und gegebenenfalls zu drosseln. Als Ersatzstandorte wurden dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) die Stuntzstraße vor der Schule und die Röntgen- zwischen Mühlbaurstraße und Galileiplatz vor dem Kindergarten (wie gewünscht) gemeldet.

Mit dem Entscheid verwarfen die Lokalpolitiker den Behördenvorschlag, „auf Grund der Messwerte der Kommunalen Verkehrsüberwachung sowie deren Erfahrungswerte“ die vorgeschlagenen Stand­orte Arabella- und Stolzingstraße. Ob sich das KVR dem Beschluss des Bogenhauser Kommunal­parlaments anschließt, dass bleibt abzuwarten, da das Referat die Stellen „hinsichtlich Erfüllung der Kriterien sowie der Umsetzbarkeit“ prüft.

Bereits Mitte 2011 (!) hatte Robert Brannekämper, Vize-Vorsitzender des Bezirksausschusses und CSU-Landtagsabgeordneter, im Kommunalparlament beantragt: Der verkehrsreiche Stadtbezirk benötigt dringend Maßnahmen, um an Gefahrenquellen wie Schulen, Kindergärten und Horten Autofahrer zu mahnen, das Tempo von Autofahrern zu reduzieren – und zwar mittels mobilen Geschwindigkeitsanzeigern.

Die Stadt hatte unlängst beschlossen, fünf Einheiten mit jeweils zwei Displays für einen zweijähri­gen Test – Kosten rund 200 000 Euro – anzuschaffen. Jedes der 25 Münchner Stadtteilgremien war aufgefordert worden, zwei Standorte zu benennen, an denen die blinkenden Geräte nach den Sommerferien ab 11. September im Turnus zwei Wochen ohne Anzeige, dann vier Wochen mit Anzeige und abschließend wieder zwei Wochen ohne Anzeige, also zwei Monate lang, aufgestellt werden sollen.

Die Ostpreußenstraße vor der Schule: Tempo 30 werktags zwischen 7 und 19 Uhr ist vorgeschrieben, doch kaum ein Autofahrer hält sich daran. Deswegen sollen hier Dialog Displays eingesetzt werden. Foto: hgb

In jedem Stadtbezirk kommen die Dialog Displays folglich ein Mal pro Jahr zum Einsatz. Wann  Bogenhausen an der Reihe ist, das steht bis dato noch nicht fest. Ist der Probebetrieb erfolgreich, erhalten die Bezirksausschüsse die Möglichkeit, solche Anlagen selbst anzuschaffen – aus ihrem eigenen Budget.

Vor dem Hintergrund, dass München laut jüngsten Statistiken die deutsche Hauptstadt der Raser ist, dass es in der Stadt mehr als 500 Autos pro 1000 Einwohner gibt, ist es erfreulich, dass die Verantwortlichen in der Verwaltung endlich zur Einsicht vor dem Hintergrund eines Antrags der CSU-Fraktion im Rathaus gekommen sind. Zumal Dialog Displays sich bereits seit Jahren in vielen Landkreis-München-Gemeinden bewährt haben.

Brannekämper hatte seinerzeit erklärt: „Hunderte von Arbeitsstunden von Bezirksausschüssen Stadtverwaltung und Polizei“ ziehen die vielen Beschwerden über Raser nach sich, „weil diese Klagen häufig der Anlass für mehrmonatige Messkampagnen sind. Deren Ergebnis wird wiederum von den Beschwerdeführern regelmäßig angezweifelt, wenn es nicht ihrer Wahrnehmung ent­spricht“. Der Einsatz von Dialog Displays könnte dieses Problem lösen und die Verkehrssicherheit vor allem für Kinder erhöhen.

Wie funktionieren die mobilen Anzeiger? Passiert ein Autofahrer den Messbereich in einer Tempo-30-Zone in vorgeschriebener Geschwindigkeit oder gar langsamer, leuchtet in grellem Grün das Wort „Danke“ auf, darüber erscheint ein lachendes Kindergesicht auf der Anzeigetafel. Tritt ein Fahrer hingegen das Gaspedal durch, ist er zu schnell unterwegs, mahnt der Zeigerfinger eines (ebenfalls lächelnden) Mädchens und das Display in leuchtend roter Schrift „Langsam!“  Die Dis­plays treten quasi in Dialog mit den Autofahrern, daher werden die Anlagen oft auch als >sprechen­de Verkehrszeichen< bezeichnet.

Übrigens: Bereits 2009 hatten Mitarbeiter der Technischen Universität im Auftrag des KVR zwei Dialog-Display-Feldversuche durchgeführt – in Pasing beim Bert-Brecht-Gymnasium und in Trude­ring an der Friedenspromenade in der Nähe von Bushaltestellen. Das Ergebnis: Bei allen Checks hatten die Autofahrer das Tempo gedrosselt. Sie fuhren auch langsamer, als die Anlagen längst wieder abgebaut waren.

Passiert ein Autofahrer die Dialog-Display-Kontrollstelle in einer Tempo-30-Zone zu schnell, mahnt ein Mädchen per Zeigefinger, leuchtet die Aufforderung „Langsam“ in knallroter Schrift auf. Foto: Stadt München / Michael Nagy

Alexander MihatschDialog Displays: Test ab 11. September