Bauwagensiedlung „Hin und Weg“: Keine Rückkehr möglich?

2. Juli 2018

„Hin und Weg“, das 1997 gegründete alternative Wohnprojekt in Bauwagen, 300 Meter abseits der Denninger Straße auf Höhe der Pühnstraße gelegen, und der seit 2003 bestehende Naturkindergar­ten Bogenhausen, kurz Nakibo, an der Neckarstraße, müssen demnächst weichen. Der Grund: Bodenuntersuchungen wegen eventueller Altlasten, ehe die Stadt die 24 Hektar große, kreuzförmi­ge Fläche zu einer öffentlichen Grünanlage, zum Pühnpark, umgestaltet. Die Folgen.

Per Dringlichkeitsantrag der CSU-Fraktion im Bezirksausschuss wurde im Mai die Stadt aufgefor­dert, sich umgehend dafür einzusetzen, dass der Naturkindergarten im künftigen Pühnpark erhalten bleibt. Es gelte sicherzustellen, dass Nakibo in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Standort während den Bodenuntersuchungen und den baulichen Maßnahmen einen geeigneten Ersatzstandort erhält. Zu bevorzugen sei dabei die benachbarte Schafsweide. Bei der vergangenen Tagung des Kommu­nalparlaments wartete CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller mit einer guten Nachricht auf: „Nakibo bekommt mit seinen zwei Bauwägen ein Ersatzgelände, und zwar auf der Schafswiese.“

Keine so guten Aussichten haben die 18 Bewohner – 15 Erwachsene und drei Kinder – der Wagen­burg. Für sie gibt’s bis dato keine Zwischenlösung.

Hin und Weg“, das alternative Wohnprojekt in Bauwagen am Rand der Denninger Straße, für die Arbeiten zur Grünanlage Pühnpark weichen. Eine Rückkehr nach Abschluss der Arbeiten ist laut Kommunalreferat „nicht beabsichtigt.“ Foto: hgb

Als Möglichkeit angedacht ist ein Areal am Salzsenderweg, wo einmal das neue Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium gebaut wird. Eine spätere Rückkehr in den Pühnpark wird wohl verwehrt.

Die Wiederansiedlung von Hin und Weg nach den Bauarbeiten ist nämlich nicht beabsichtigt. Das hat Michael Huber, Abteilung Immobilienmanage­ment, Gewerbe und Wohnen im Kommunalreferat, auf Nachfrage den Lokalpolitikern mitgeteilt.

Unser Versuch, von einem Wagenburg-Bewohner eine Stellungnahme zu erhalten, war vergebens. An einem Samstagnachmittag war kein einziger Bewohner anwesend. Und eine Nachfrage per Mail blieb unbeantwortet.

Andreas Baier (Grüne), Vorsitzender des Untergremiums Stadtgestaltung, Öffentlicher Raum und Ökologie, in einem Brief nach Beschluss des Bezirksausschusses an Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Der Bezirksausschuss bittet Sie dringend, die Bauwagensiedlung „Hin und Weg“ im Pühn­park zu erhalten. Im Mai haben wir einstimmig beschlossen, dass das Projekt weiterhin hier bleiben soll. Es gab bisher keinerlei Schwierigkeiten, wir halten es für ein Musterbeispiel für >Alternatives Wohnen<.“

Bezirksausschuss-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser erklärte im Plenum zur Mitteilung des Referats: „Das ärgert mich. Hin und Weg ist doch dort gut integriert. Warum übergeht man unseren einstimmigen Beschluss?“

Alexander MihatschBauwagensiedlung „Hin und Weg“: Keine Rückkehr möglich?