Neuer Freischützgarten-Plan: So sieht’s aus

23. März 2019

Nach den im Herbst geäußerten Einwendungen und Anregungen des Bezirksausschus­ses zum Neu­bau des Gebäudekomplexes Freischützgarten an der Ecke Johannes­kirch­ner Straße 98-100 / Freischützstraße 75-81 hat der Investor, die „6B47 Germany GmbH“ mit Sitz in Düsseldorf – Ge­schäftsführer ist Kai-Uwe Ludwig, bis Ende 2014 zehn Jahre lang bei der Bayerischen Haus­bau tätig und somit Kenner von Bogenhausen – für das rund 10 000 Quadratmeter große Areal in Johanneskirchen einen angepassten Entwurf vorgestellt. Die Lokalpolitiker waren angetan von den Bemühungen und Umsetzungen, stimmten den Plänen – unter Bedingungen – zu.

Vorweg: Der 30 Jahre alte, teils vergammelte und Wohn- und Gewerbekom­plex steht seit mehr als zwei Jahren bis auf die Filiale eines Geldinstituts leer. Anwohnerin Andreja Ruppert kommentierte diesen Umstand: „Die Ecke ist tot.“ Und sie beklagte die mangelnde Verkehrssicherheit wegen aus­gefallener Beleuchtung, in den Gebäuden hielten sich Unbefugte auf, sogar „eine kleine Spielhölle“ gebe es, Müll werde in der benachbarten Eigentumswohnanlage entsorgt.

Soll soll das Erdgeschoss des Freischützgartens einmal aussehen: Platz an der Straßenecke mit der bestehenden Baumgruppe, mit Durchgängen und Quartiersplatz. Plan: 6B47 Germany GmbH / Schluchtmann Architekten

Robert Brannekämper, Vize-Vorsitzender des Bezirksausschusses, CSU-Landtagsabgeordneter und Planungschef urteilte: „So wie es jetzt ausschaut, ist es eine Schande für das Viertel, so kann’s nicht bleiben“. Und zum Neubau: „Es ist erfreulich, dass unsere Kritik berücksichtigt worden ist.“

CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller meinte im Untergremium Planung bei der Präsentation der Unterlagen: „Das ist gut gelungen, ist überzeugend, ist eine gute Kombination.“ Er regte noch an, die Fassadengestaltung per Visualisierung darzulegen. Brannekämper erklärte: „Wir können uns so grundsätzlich eine Befreiung vom seit 1985 bestehenden Bebauungsplan vorstellen.“

Diese Aussage wurde so im Beschluss des Kommunalparlaments einstimmig verankert – verbun­den mit dicken „Wenns“. Wenn nämlich ein „Fassadenworkshop / Grünflächenworkshop unter Be­teiligung des Bezirksausschusses vorgelegt wird, wenn eine Bürgeranhörung stattfindet und wenn sodann die Fassaden, Freiflächengestaltung und Visualisierung dem Bezirksausschuss nochmals zu finalen Entscheidung vorgelegt werden.“

Ludwig und der technische Projektleiter André Schubert nickten die Aussagen im Ausschuss ab, betonten den Willen für ein „Kooperationsmodell, das schnell auf den Weg gebracht werden soll“. Ludwig kann sich auch vorstellen, den Vorplatz in das „Eigentum der Stadt zu übergeben, wenn sie dies denn will.“ Im vierten Quartal 2019 soll’s, wenn alles pro­blem­los läuft, nach seinen Vorstellun­gen mit den Bauarbeiten begonnen werden

Kompaktmodell der Bestandsgebäude und des geplanten Neubaus an der Ecke Johannes¬kirch¬ner – / Freischützstraße. Wie auf der gegenüberliegenden Seite soll vor der bestehenden Baumgruppe ein achtstöckiger Turm entstehen. Foto: hgb

Das Unternehmen will den Bestand abreißen, will die Baukörper gegenüber den ersten Plänen ein wenig versetzen, will zum Teil die Höhe der Gebäude um ein Dachgeschoss auf fünf Stockwerke erweitern, will die bisherigen Nutzungen der ersten und zweiten Etage von Büro in Wohnraum um­wandeln (Vorbescheide der Stadt dazu liegt vor), will am Straßeneck einen achtstöckigen „Hoch­punkt“ wie gegenüber bauen und durch die neue Anordnung der Projekte die Lindengruppe „weit­gehend erhalten.“

So soll neben dem größer werdenden Innenhof eine „zweite, offene Freifläche eventuell mit einer Brunnen­anlage“ am Eck und zugleich ein „schöneres Entree“ geschaffen werden. Geplant sind im Erdgeschoss etwa 15 Ge­werbe­einheiten (unter anderem Bio-Markt, Café, Restaurant), im Trakt rund 175 Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen und eine Kindertagesstätte.

Ludwig stellte klar, dass bei sämt­lichen Maßnahmen alle Abstandsflächen eingehalten werden. Brannekämper machte – vor allem den anwesenden benachbarten Wohnungseigentümern – klar: „Wir sind das vorberatende Gremium, wir stehen am Beginn eines Verfahrens. Bezirksausschuss-Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser ergänzte und pflichtete bei: „Es gilt den Prozess in die Wege zu leiten, an dem die Bürger teilnehmen können. Wir stimmen heute dem Verfahrensweg zu, nicht dem Bauvorhaben.“

Und Finkenzeller meinte: „Wir haben nun die Möglichkeit, die Anlage mit zu gestalten. Das ist ein neuer Weg, den wir hier beschreiten, aber eben mit Bedingungen. Mehr Bürgerrechte kann man nicht erreichen. Das Ergeb­nis ist völlig offen.“

Schubert auf Nachfrage von unser-bogenhausen.de zu den erwähnten Workshops angesprochen – ein Besucher hatte im Gremium angefragt, wer dazu einlädt und wer eingeladen wird: „Darum werden wir uns in Absprache kümmern.“

Die geplanten Neubauten (rote Punkte) im Quartier Freischützgarten mit Vermerk der jeweiligen Stockwerkzahl. Plan: 6B47 Germany GmbH / Schluchtmann Architekten / Bearbeitung hgb

Alexander MihatschNeuer Freischützgarten-Plan: So sieht’s aus