Freischützgarten wieder verkauft: Die Folgen

18. Juni 2021

Freischützgarten wieder verkauft: Die Folgen

Es war in jüngster Vergangenheit ruhig geworden, um den ge­planten Abriss der Bestandsgebäu­de und den Neubau des Komplexes Freischützgarten an der Ecke Johannes­kirchner Straße 98-100 / Freischützstraße 75-81 durch die Besitzerin „Real Estate Inves­tors 6B47 Germany“ – Wer­be­­slo­gan „Die etwas andere Art Immobilien zu entwickeln“. Zu ruhig geworden. Denn: Das Unter­neh­­men mit Sitz in Düsseldorf hat, wie erst jetzt auf Nachfrage von unser-bogenhausen.de klar ge­wor­den ist, den Trakt vor Monaten verkauft. Mit Folgen!

Der nunmehr vierte Besitzer binnen fünf Jahr ist die Gröner Group GmbH mit „Hauptsitz“, so steht’s auf der Internet-Seite, in Berlin.

Der graue, trist wirkende Komplex Freischützgarten parallel zur Freischützstraße: Der Zugang zu den einstigen Geschäften führt über eine Rampe, ist nicht barrierefrei. Foto: hgb

Wie geht’s nun weiter? Auf Fragen wie zum Kaufpreis, zum Abriss des Bestands, zum Baubeginn, zur Fertigstellung, zur Wohnungszahl, zu Eigentums- und / oder Mietwohnungen antwortete Martina Serwene Teamleiterin Marketing:

„Bei dem Projekt in attraktiver Lage im Stadtteil Johanneskirchen liegt der Fokus vorrangig auf drin­gend benötigtem Wohnraum für das Ballungszentrum München. Vorgesehen ist eine Teilum­nut­zung des jahrelang leer stehenden Gebäudes von Gewerbe auf Wohnen. Die ge­werbliche Nut­zung im Erdgeschoss wird beibehalten, in den oberen Etagen entstehen freifinanzierte und geförderte Woh­nungen. Auf die Flächen, die zusätzlich entstehen, entfallen rund 40 Prozent auf geförderten Wohnraum. Für die Gewerbeflächen sehen die Planungen Büros, Einzelhandel und Einheiten für kleine Gewerbetreibende vor. Zudem entstehen etwa 135 Parkplätze.“

 

Und, Achtung, jetzt kommt’s: „Die Bestandsgebäude werden einer umfangreichen Kernsanie­rung unterzogen, um eine Etage aufgestockt und fassadenseitig durch neue Gebäudekörper erweitert. Dabei legen wir höchste KfW-Standards an und prüfen den Einsatz von Green Technolo­gy für einen CO2-reduzierten Footprint.“

 

Serwene zu den Terminen: „Der Baustart für das Projekt ist für das erste Halbjahr 2022 geplant. Mit einer Fertigstellung rechnen wir für Ende 2023 / Anfang 2024.“

Wohnungen gekündigt, Gewerbe gekündigt: Seit Jahren steht der Freischützgarten leer, die Anlage wie auch der Innenhof ist „tot“. Foto: hgb

Rückblick: „Vor Mitte nächsten Jahres wird nicht geschehen“, versicherte Anfang Dezember Mich­ael Eckerl, Technischer Leiter des 6B47-Büros München in Grünwald, in einem Telefonat. Es war al­so an der Zeit, um nach rund sechs Monaten den Stand der Dinge zu checken.

Die Antwort auf unsere Fragen: „Anbei erhalten Sie den Link zur Pressemeldung aus Feb­ru­ar 2021 „Gröner Group kauft Pro­jekt­portfolio von 6B47“ (immobilienmanager.de) zur Information.“ Also Verweis auf die Seite eines Verlags! Gleichwohl findet sich mit Datum 1. Februar 2021 die Pressemitteilung auf der B6B47-Homepage.

Es ist ein alter „Trick“, eine Methode mit Methode, einen Pressetext ins Archiv zu stellen und / oder an ein Fachmedium zu ver­sen­­den. Nicht aber an die örtliche Presse. Trotz langer Kontak­te zu 6B47-Geschäftsführer Kai-Uwe Ludwig, einst bei der Bayerischen Haus­­bau in Bogenhausen tätig, und seine Mitar­bei­ter, wurde unser-bogenhausen.de im Verteiler zur Ver­äußerung des Kom­ple­xes wie offen­sichtlich auch die Münchner Zeitungen nicht be­rücksichtigt. So hat man eine „weiße Weste“, die >Presse< wurde ja unterrichtet – nur vor Ort hat eben keiner von der neuen Sachlage etwas mitbekommen …

Einzig die Filiale der Stadtsparkasse ist im Freischützgarten verblieben. So ist wenigstens ab und an jemand zu sehen. Foto: hgb

Auszug des Pressetextes:

„Die 6B47 Real Estate Investors AG hat drei Wohnbau-Projekte mit knapp 50 000 qm Geschossfläche an die Gröner Group veräußert. Dabei handelt es sich um ein Projekt in der Freischützstraße im Münchner Stadtteil Johanneskirchen, ein Objekt in Karlsfeld und eine Liegenschaft in Berlin. Der Ankauf bedeutet für die Gröner Group den Marktein­tritt in München. Das Vorhaben an der Freischützstraße, das bisher durch ein Joint Venture der bei­den Transak­tions­partner unter der Führung der 6B47 vorangetrieben wurde, hat den Schwerpunkt Wohnen mit einer Geschossfläche von rund 13100 qm, davon etwa 2000 qm Gewerbefläche. Alle Objekte sind mit Bau- bzw. Planungsrecht ausgestattet oder befinden sich bereits in der Umsetzungsphase.

 

Christoph Gröner, Geschäftsführer Gröner Group GmbH: Unser Interesse an dem Paket trifft auf eine komplementäre Strategie bei 6B47 als Verkäufer. Der in Österreich beheimatete Projekt­ent­wickler baut zwar in der Regel selbst, so wie derzeit in den Münchner Stadtteilen Harlaching und Lehel, nimmt in einigen Fällen aber auch Marktopportunitäten nach Baurechtsschaffung wahr, so­fern damit größere Transaktionen verbunden werden können.“

Der unglaubliche Hintergrund zum Freischützgarten: Im Mai 2018 hat die 6B47 die Anlage auf der knapp 10 000 Qua­dratmeter großen Eckfläche in Johanneskirchen von der Munich Residential GmbH (MR) erworben, die ihrer­seits den Trakt im April 2016 gekauft hatte. Und jetzt eben die Grö­ner Group. 6B47 wollte den mehr als 30 Jahre alten, grauen Komplex abreißen, dort ohne die be­stehenden Geländeabstufungen Neubauten errichten, etwa 15 Gewer­beeinheiten und 140 bis 160 Wohnungen schaffen.

 

Fabian EwaldFreischützgarten wieder verkauft: Die Folgen