BVK-Zentrale: „Täglich 2050 Autos mehr“

17. September 2019

Zwei Wolkenkratzer, 100 und 60 Meter hoch mit 26 bzw. 15 Stockwerken, verbunden durch einen 50 Meter hohen und 100 Meter langen Verbindungstrakt – so wird die neue Zentrale der Bayeri­schen Versorgungskammer (BVK) mit 72 000 Quadratmeter Geschossfläche auf dem ehemaligen, 20 000 Quadratmeter großen Siemens-Areal an der Richard-Strauss-Straße 76 einmal aussehen. 1300 Menschen oder mehr werden ab 2024 in den Hochhäusern arbeiten. Damit wird auch der Verkehr zu nehmen. Engpässe drohen.

Von den Beschäftigten kommen nach BVK-Angaben etwa ein Drittel mit dem Auto und etwa ein Drittel mit der U-Bahn oder dem Bus zur Arbeit. Und rund ein Drittel zu Fuß oder mit dem Fahrrad. In mehreren Ebenen unter der Erde gibt’s denn auch neben vielen Fahrradstellplätzen mehr als 800 Autoparkplätze.

Schon bei diesen Zahlen stutzt man: ein Drittel von 1300 sind aufgerundet 450 Mitarbeiter, die ein Auto nutzen. Und dafür gibt’s 800 Stellplätze.

Gemäß Untersuchungen des Planungsreferats kommt es ab dem Jahr 2024 durch die neue BVK-Zentrale täglich zu etwa 2050 zusätzlichen Fahrten auf der Richard-Strauss-Straße. Zahlen zu den Stoßzeiten und Auswirkungen wurden von der Stadt nicht angeführt. Foto: hgb

Im Entwurf des Einleitungs- und Aufstellungsbeschlusses zum Bebauungsplan für den Stadtrat durch das Planungsreferat heißt es unter dem Punkt > 4.5.3. Motorisierter Individualverkehr (MIV) und Ruhender Verkehr<: „Die geplante Bebauung verursacht ein Verkehrsaufkommen von etwa 2050 Kfz-Fahrten am Tag. Entsprechend einer ersten Einschätzung durch Gutachter kann die Tiefgarage inklusive dem regelmäßigen Anlieferverkehr, Taxis etc. leistungsfähig aus beiden Richtungen der Richard-Strauss-Straße erschlossen werden. Das Verkehrsaufkommen hat keinen wesentlichen Einfluss auf das Verkehrsgeschehen längs der Richard-Strauss-Straße bzw. an benachbarten Knotenpunkten.“

Und weiter: „Die Stellplätze sind über eine gemeinsame Zu- und Ausfahrt im südlichen Teil des Grundstücks an die Richard-Strauss-Straße angebunden. Über diese Tiefgarage wird auch der regelmäßige Anlieferverkehr unter anderem für Kantine und Büronutzung sowie untergeordnete additive Nutzungen abgewickelt. Für die Taxis sowie die untergeordnete Anlieferung gibt es einen separaten Vorfahrtsbereich.“

Unter dem Aspekt >Auswirkungen der Planung< wird angeführt: „Das durch das Vorhaben ausge­löste Verkehrsaufkommen kann durch die umgebenden Straßen aufgenommen werden; im Zuge des Bebauungsplanverfahrens wird das im Rahmen der städtebaulichen Studie angefertigte Ver­kehrsgutachten aktualisiert. Darüber hinaus wird im Zuge des Verfahrens ein Mobilitätskonzept erstellt.“

Zum Stichwort „Verkehrsgutachten“ kommentierte CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller im Untergremium Planung des Bezirksausschusses: „Wir legen großen Wert auf eine detaillierte Untersuchung. Wichtig dabei sind vor allem die Zahlen morgens zum Arbeitsbeginn und abends zum Arbeitsende wegen der konzentrierten Verkehrsbewegungen.“

Das Kommunalparlament forderte überdies von der Stadt, „weshalb im vereinfachten Verfahren geplant wird“. Das erscheine aus rechtlichen Gesichtspunkten „für nicht anwendbar. Auch die im vereinfachten Verfahren nicht erfolgende Umweltverträglichkeitsprüfung erscheint in Anbetracht des Umfangs des Bauvorhabens problematisch.

Auszüge aus der >Stellungnahme der Verwaltung< zum Projekt:

  • Mit dem beantragten Vorhaben wird eine nicht mehr den aktuellen Nutzungsanforderungen entsprechende Bebauung durch einen zukunftsorientierten Bürokomplex, einschließlich verschiedener Nebennutzungen, ersetzt.
  • Das Planungsgebiet erhält durch die aus dem Planungswettbewerb hervorgegangene Bebauung eine deutliche städtebauliche und architektonische Aufwertung und schafft mit den neuen Hochpunkten am Übergang von der Richard-Strauss-Straße zum Denninger Anger einen neuen stadträumlichen Orientierungspunkt.
  • Die Anbindung des Denninger Angers an die Umgebung, insbesondere Richtung U-Bahnhaltestelle Arabellapark wird durch die Öffnung des bisher abgeriegelten Grundstücks und die öffentliche Durchwegbarkeit deutlich verbessert.
  • Durch die Errichtung einer eigenen Kinderbetreuungseinrichtung für Mitarbeiter können entsprechende soziale Infrastruktureinrichtungen an anderen Stellen ggf. auch innerhalb der Stadtgrenze entlastet werden.
  • Die sich aus dem Vorhaben errechnende Geschossflächenzahl (GFZ) von 3,53 überschreitet den im Kerngebiet zulässigen Wert von GFZ 3,0, dennoch kann eine ausreichende Belichtung und Belüftung der geplanten Nutzungen und der Nachbargebäude sichergestellt werden.
  • Trotz der hohen baulichen Dichte stehen den Mitarbeitern ausreichend Freiflächen zum Aufenthalt, sowohl ebenerdig als auch auf dem Dach der Scheibe / dem Verbindungsgebäude zur Verfügung.
  • Das geplante Vorhaben ist als stadtbildverträglich zu beurteilen.
  • Die RS 76 OHG ist als Vorhabenträgerin strebt die Realisierung des Bauvorhabens innerhalb von fünf Jahren ab Inkrafttreten des Bebauungsplans mit Grünordnung an.

So sieht die neue Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) auf dem einstigen Siemens-Areal an der Richard-Strauss-Straße mit dem 100 Meter hohen Bürosilo und dem Verbindungsbau (das zweite Hochhaus ist dadurch verdeckt) aus. Im Hintergrund: der HypoBank-Wolkenkratzer. Visualisierung: David Chipperfield Architects

Alexander MihatschBVK-Zentrale: „Täglich 2050 Autos mehr“