Café Wiedemann: Ende nach 37 Jahren

01.04.2015

Das Café Wiedemann im seit sieben Jahren leer stehenden Bürokomplex des Haftpflichtverbands der Deutschen Industrie (HDI) an der Englschalkinger Straße 148 bis 152 hat nach 37 Jahren dicht gemacht. Der knapp 150 Meter lange, grau-triste und äußerlich vergammelte Trakt wird demnächst abgerissen. Auf dem Areal errichtet die Concept Bau 131 neue Wohneinheiten sowie eine Kinder­tagesstätte.

Einst eine grüne Oase: Das im japanischen Bonsai-Stil angelegte Café-Atrium.

Einst eine grüne Oase: Das im japanischen Bonsai-Stil angelegte Café-Atrium.

Das Café mit seinem im japanischen Bonsai-Stil begrünten Atrium war nicht nur sonntags zum Kuchenkauf stark frequentiert. Es war eine Oase, eine Institution, war für viele rundum lebende Bürger, vor allem Senioren, ein beliebter Treffpunkt, für manche sogar ein zweites Wohnzimmer.

„Mein Vertrag läuft noch bis Ende 2023. Darin wurde beim Abschluss verankert, dass der Vermie­ter, also der HDI, beabsichtigt, das Gebäude zu renovieren und zu modernisieren“, erklärte Franz Wiedemann noch bei einem Gespräch im vergangenen September.

Der 68-Jährige hatte seinerzeit weiter erzählt: „Mir wurden Räume für ein neues Café zur Vollmann­straße hin angeboten. Das Angebot habe ich abgelehnt. Denn die Räume liegen auf der Westseite, kriegen keine Sonne ab. Zudem befinden sich über dem kleinen Garten mit Durchgang Stockwerke mit Balkonen. Das könnte mit den Besitzern Probleme geben. Und bedenken Sie, die Bauzeit be­trägt etwa zweieinhalb Jahre.“ Die Folge: Wiedemann schloss einen Vergleich, ging in Ruhestand.

In der Vergangenheit waren diverse Alternativen für den Block geprüft worden. Nach Aufgabe des HDI-Standorts hatte im Dezember 2011 ein Sprecher der Versicherungsgruppe Talanx mit Sitz in Hannover, der HDI-Muttergesellschaft, erklärt, dass man eine angedachte Vermietung der Büro­flächen in dem dreistöckigen, über 40 Jahre alten Komplex verworfen habe und man Optionen wie Umwandlung in Wohnungen oder Abriss prüfe.

Offensichtlich war man zu dem Ergebnis gelangt, dass beide Varianten nicht in Frage kommen. Denn „die Immobilien sind bereits 2013 verkauft worden“, so Talanx-Sprecherin Gesa Panetta. Und zwar an die Concept Bau, die gegenüber, an der Englschalkinger Straße 225, derzeit das Quartier „Parksuiten“ mit 47 Einheiten zum Preis von 8000 Euro pro Quadratmeter erstellt. Demnächst erfolgt der Abriss der Betonkästen. Bäume und Sträucher sind inzwischen gefällt und gerodet worden.

Innenansicht des Gebäudekomplexes mit insgesamt 131 Wohnungen und einer Kindertagesstätte. Foto: Concept Bau

Innenansicht des Gebäudekomplexes mit insgesamt 131 Wohnungen und einer Kindertagesstätte. Foto: Concept Bau

Laut Angaben der Concept Bau im Internet sind die „circa 50 bis 116 Quadratmeter großen Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen auf zwei freistehende Punkthäuser und einen längeren Häuserriegel mit insgesamt acht Treppenaufgängen verteilt. Im Zentrum des Gebäudekomplexes entsteht eine familienfreundliche Grünanlage mit Spiel- und Klettermöglichkeiten für Kinder.“ Zum Projekt gehört auch eine Kindertagesstätte – die dritte im Umkreis von 100 Metern – mit zwei Dutzend Plätzen.

Alexander MihatschCafé Wiedemann: Ende nach 37 Jahren