Mormonen-Gemeindehaus: Pläne liegen aus

Im Sommer vor sechs Jahren hat der Stadtrat beschlossen, für den Bereich Weltenburger- / Eggen­feldener- und Schwarzwaldstraße den Flächennutzungsplan zu ändern und einen Bebauungsplan aufzustellen. Anlass ist der Bau eines Gemeindehauses der Kirche „Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (HLT) – kurz als Mormonen bezeichnet. Eine öffentliche Erörterung zum Vorhaben findet am Dienstag, 17. November, 19 Uhr, im Pfarrsaal St. Klara, Friedrich-Eckart-Straße 9, statt.

Im Februar hatten die Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) den Antrag der Kirche abgelehnt, neben dem Zentrum ein so genanntes Palettenparkhaus zu errichten. Laut Definition ist eine Park­palette ein kleines Parkhaus in einfacher Bauweise, ein offenes Parkdeck. Das Ständerwerk einer solchen Einrichtung besteht aus Doppel-T-Trägern, so dass eine geringe Bauhöhe pro Stockwerk – im Normalfall rund zwei Meter – erreicht wird. Meist werden zwei Etagen übereinander „gestapelt“.

Das geplante Palettenparkhaus angrenzend ans Mormonen-Gemeindezentrum.

Das geplante Palettenparkhaus angrenzend ans Mormonen-Gemeindezentrum.

Die Lokalpolitiker hatten darauf bestanden, dass der Verkehr und das Parken – wie vor Jahren ent­schieden – über eine Tiefgarage abgewickelt werden muss. Diese sei vor allem aus gestalterischen Gründen notwendig, denn eine Parkpalette passe einfach nicht zu einer Kirche.

Überdies gelte es „zusätzliche Lärm- und Emissionsbelästigungen für die Anwohner“ zu vermeiden. „Wir müssen Rücksicht auf die Umgebung nehmen, wir müssen hart bleiben, wir müssen auf unserem Beschluss bestehen“, hatte seinerzeit eine Bürgervertreterin konstatiert.

Der Beschluss im Rathaus war 2009 auf Initiative vom heutigen CSU-Landtagsabgeordneten und damaligen Stadtrat Robert Brannekämper erfolgt. Ein Grundstückstausch zwischen der Kirche und der Stadt – jeweils rund 6000 Quadratmeter – ermöglicht auf Basis der Änderungen die Anordnung des Gemeindehauses an der Weltenburger Straße. Diese Situierung des Baukörpers hat den Vorteil, dass die Freiflächen mit wertvollem Baumbestand im Osten des Gebiets erhalten werden können. Darüber hinaus kann die Erschließung in Folge des Arealtauschs unmittelbar von der Weltenburger Straße erfolgen und belastet damit nicht die angrenzenden Wohngebiete im Osten.

An der Ecke Weltenburger-/Eggenfeldener Straße soll das Mormonen-Gemeindehaus entstehen.       Karte: Stadt München

An der Ecke Weltenburger-/Eggenfeldener Straße soll das Mormonen-Gemeindehaus entstehen. Karte: Stadt München

Mit den Plänen für die Kirche mit Gemeindehaus samt Kapelle, Gemeinschaftssaal und Gruppen­räumen hatte sich das Kommunalparlament der städtischen Entscheidung folgend einverstanden erklärt, hatte aber bereits damals auf einer Tiefgarage „mit mindestens 20 Stellplätzen“ bestanden. Insgesamt wurde laut Baureferat ein Bedarf von 66 Stellplätzen ermittelt.

Der Grund für die Vorgabe des Staftteilgremiums: Die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft kommen nicht nur aus ganz Bayern zu den Veranstaltungen der Kirche, darunter zu zwei jährlichen internationalen Konferenzen im etwa 800 Personen fassenden Zentrum.

Zwar liegen im Einzugsbereich zwei Bushaltestellen, U- und S-Bahnhöfe sind aber weiter entfernt. Folglich dürfte die Mehrheit der Besucher mit dem Auto anfahren.

Dafür reichen die etwa vier Dutzend oberirdisch vorgesehenen Stellplätze aber nicht aus, zumal es auch im Umfeld der Weltenburger Straße zu wenige Parkplätze gibt.

Jesu Christi HLT hat weltweit etwa 15 Millionen Mitglieder, in Deutschland sind’s rund 40000. Die Kirche kennt weder ein Berufspriestertum noch ein Zölibat. Der Name Mormonen leitet sich vom Buch Mormon ab, das die Gläubigen neben der Bibel studieren. Der Hauptsitz der Glaubengemein­schaft befindet sich in Salt Lake City im amerikanischen Bundesstaat Utah. Die Mormonen verfolgen einen Kodex, der ihnen den Genuss von Drogen, Alkohol, Nikotin, Kaffee und auch Tee verbietet. Abtreibung lehnen sie grundsätzlich ab, völlige sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und Treue in der Ehe gehören zu ihren wichtigsten Regeln.

Die Unterlagen, aus denen man sich zu den Zielen und Zwecken der Planung, den unterschied­lichen Lösungen und den voraussichtlichen Auswirkungen der Planung unterrichten kann, sind bis 10. Dezember einsichtbar:

  • In der Stadtbibliothek Bogenhausen, Rosenkavalierplatz 16 (Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 19 Uhr sowie Mittwoch von 14 bis 19 Uhr – die Stadtbibliothek ist am Mittwoch, 9. Dezember, geschlossen),
  • im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Blumenstraße 28 b (Hochhaus), Erdgeschoss, Raum 071 – Auslegungsraum; barrierefreier Eingang an der Ostseite des Gebäudes auf Blumen­straße 28 a (Montag mit Freitag von 6.30 bis 18 Uhr), und
  • in der Bezirksinspektion Ost, Trausnitzstraße 33 (Montag, Mittwoch, Freitag von 7.30 bis 12 Uhr, Dienstag von 8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8.30 bis 15 Uhr).
Alexander MihatschMormonen-Gemeindehaus: Pläne liegen aus