Arabellapark: „Der zweite Sündenfall“

Für die künftige bauliche Entwicklung des Wohn- und Geschäftsviertels Arabellapark verlangt der Bezirksausschuss von der Stadt – wie schon vor Jahresfrist bei der Aufstockung des BayWa-Towers thematisiert und angemahnt – endlich ein Gesamtkonzept. „Wir brauchen dringend den Arabellapark 2.0“, erklärte Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender und zugleich Planungschef des Stadtteilgremiums.

Anlass für die Forderung ist die Vorstellung des Vorhabens „Grünes Hochhaus“ an der Arabellastra­ße 26. Dort soll ein 52 Meter hoher, abgestaffelter Bau mit 16 Geschossen entstehen, dessen Fassade von unten bis oben vollständig begrünt ist – ein Öko-Turm mit geplanten 55 Wohnungen sowie Büroräumen, der in München einzigartig wäre.

„Das mag ja sehr ansprechend grün aussehen, aber damit wird wieder ein Präzedenzfall im Arabel­lapark geschaffen. Das ist der zweite Sündenfall des Planungsreferats nach der Zustimmung zur Aufstockung der BayWa-Zentrale um drei Stockwerke“, meinte Brannekämper.

Ihn treibt die berechtigte Sorge um, dass mit diesem nächsten Einzelprojekt und der verbundenen Geschoßflächenzahl von 3,9 Fakten geschaffen werden, auf die der nächste Bauherr verweisen kann und der dann noch ein wenig großräumiger und höher bauen will. „Was macht die Stadt, wenn auch ein Hotel um einige Etagen aufstocken will? Wie schaut der Arabellapark in 20 Jahren aus? Wir brauchen ein Gesamtkonzept“, so der CSU-Landtagsabgeordnete. Denn: „Ein Gesamtkonzept ist uns Stadtbaurätin Elisabeth Merk bis heute schuldig geblieben.“

52 Meter hoch, 16 Etagen mit Wohn- und Büroraum: So soll das grüne Hochhaus an der Arabellastraße 26 zwischen dem Verwaltungstrakt Arabeska (li.) und den Nebengebäuden der HypoVereinsbank (re.) aussehen.         Simulation Aika Schluchtmann Architekten

52 Meter hoch, 16 Etagen mit Wohn- und Büroraum: So soll das grüne Hochhaus an der Arabellastraße 26 zwischen dem Verwaltungstrakt Arabeska (li.) und den Nebengebäuden der HypoVereinsbank (re.) aussehen. Simulation Aika Schluchtmann Architekten

Wie die Faust aufs Auge passt dazu ein Bericht in einer Münchner Tageszeitung. Zum Thema „Mehr Mut beim Bauen in München“ im Zusammenhang mit dem geplanten neuen Konzertsaal könnte man doch auch ein (Hochhaus-)Viertel mit Wolkenkratzern bis zu 200 Meter Höhe ergänzen. Prädestiniert wäre dazu der Arabellapark …

Am „Grünen Hochhaus“ soll laut Architektin Aika Schluchtmann „als unverwechselbarer Stadtbau­stein die Fassade nicht nur nachhaltig begrünt, sondern als vertikaler Garten ausgebildet werden.“ Die Bepflanzung soll geschossweise erfolgen und maximal drei Meter hoch wachsen. Also ein Koloss mit Klimaanlage. Für die Umsetzung ist laut Stadtgestaltungskommission eine Änderung des seit Mai 1971 rechtsverbindlichen Bebauungsplans erforderlich.

Auffallend bei dem ungewöhnlichen Konzept: Der Entwurf des „abgerundeten“ Turms passt sich dem nebenan schwungvoll gebauten Komplex Arabeska an, verleiht dem vor 40 und mehr Jahren überwiegend „quadratisch, praktisch gut“ errichteten Arabellapark eine neue Note, macht ihn „lebendiger“.

Indes war ein Trio der städtischen Expertenrunde skeptisch, bezweifelte die Funktionalität des Vorhabens, kritisierte das Gebäude als Fremdkörper im Stadtquartier. Die Fachleute monierten darüber hinaus, dass die in den Himmel wachsende Bäume Wind und Wetter mehr oder minder schutzlos ausgeliefert seien. Doch die etwa zwei Jahre lang vorbereitete Verbindung hohes Haus und kräftiges Grün soll, so der mehrheitliche Beschluss der Stadtgestaltungskommission, gewagt werden.

Alexander MihatschArabellapark: „Der zweite Sündenfall“