Ausbau des Föhringer Rings: Wer zahlt?

6. März 2017

Der vierspurige Ausbau der Staufalle Föhringer Ring ist beschlossene Sache: Der Planungsaus­schuss des Stadtrats hat die Verwaltung beauftragt, mit dem Freistaat als Baulastträger und der Gemeinde Unterföhring, auf deren Gebiet fast zwei Drittel der Tangente liegen, Verhandlungen aufzunehmen, um eine „schnellstmögliche Realisierung“ zu erwirken. Ein Antrag für eigene Busspuren – auch eine Forderung der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) – wurde verworfen. Knackpunkt der künftigen Gespräche sind die Finanzen. Noch nicht klar ist nämlich, wer bezahlt, wer wie viel bezahlt. München will nicht die Hauptlast dieser überörtlichen Maßnahme tragen.

Was „schnellstmögliche Realisierung“ der rund zwei Kilometer langen Verbindung ab Ende der Effnerstraße vorbei am Heizkraftwerk Nord bis zur Einfahrt in die A 9 bei Freimann bedeutet, wann mit dem Bau begonnen wird, geschweige denn, wann alles einmal fertig sein soll – das steht in den Sternen. Gleichwohl ist Fakt: Der Abschnitt, die Staatsstraße 2088, ist an der Grenze ihrer Leis­tungsfähigkeit angelangt. Seit 20 Jahren bilden sich stetig schier endlose Autoschlangen.

Die Stadt führt an: Der Föhringer Ring ist eine Staatsstraße, der auf ihrem Terrain liegende Abschnitt ist, selbst wenn weitere Wohngebiete gebaut werden und somit mehr Verkehr entsteht,  keine Ortsdurchfahrt. Daher sei der Freistaat finanziell in der Pflicht.

Bayern hingegen argumentiert, dass München zahlen müsse. Und zwar auf Grundlage einer vor 16 Jahren getroffenen Vereinbarung. Dies vor dem Hintergrund einer seinerzeit geplanten Verbindung der Nürnberger Autobahn mit der Messe in Riem. Dabei war auch ein Ausbau des Föhringer Rings vorgesehen. Doch die besagte (Nord-Ost-)Verbindung wurde nicht realisiert. Die Folge: München sieht sich nicht mehr an die Abmachung gebunden.

Das Nadelöhr im Verlauf des Föhringer Rings: Die marode Herzog-Heinrich-Brücke, im Bild mit der Einfahrt aus Unterföhring.    Foto: hgb

Das Nadelöhr im Verlauf des Föhringer Rings: Die marode Herzog-Heinrich-Brücke, im Bild mit der Einfahrt aus Unterföhring. Foto: hgb

Wie überlastet der Föhringer Ring ist, belegen Zahlen. Bei einer Erfassung des Planungsreferats im November 2014 wurden am Flaschenhals Herzog-Heinrich-Brücke über die Isar innerhalb von 24 Stunden rund 46 000 Fahrzeuge registriert, darunter etwa 2800 Lastwagen über 3,5 Tonnen.

Mor­gens und abends waren es jeweils rund 4000 Autos. Kalkuliert wird für 2030 – nach einem vierspu­rigen Ausbau – mit 75 000 Fahrzeugen. Das entspricht einer Spitzenstundenbelastung von etwa 6500 Autos.

Die Herzog-Heinrich-Brücke ist die neuralgische Stelle, das Nadelöhr, auch wegen der anschlie­ßenden Ein- und Ausfahrt von und nach Unterföhring. Die 57 Jahre alte, etwa 200 Meter lange Stahlkonstruktion ist total verrostet. Seit neun Jahren darf sie mit maximal Tempo 50 überfahren werden. Ein Neubau ist ab 2018 geplant. Nach der Fertigstellung könnte das alte Bauwerk abgerissen und ersetzt werden. Ohne diese Maßnahmen ist ein vierspuriger Fahrbahnausbau sinnlos.

– Titelbild: hgb –

Alexander MihatschAusbau des Föhringer Rings: Wer zahlt?