Tram-Linien 16/18: Von wegen „Flüstertram“

Vor vier Jahren starteten die Straßenbahnlinien 16 und 18 vom Effnerplatz nach St. Emmeram. Seit vier Jahren beklagen sich unzählige Anwohner entlang der Cosimastraße über den Lärm der Tram, vornehmlich wegen Bremsgeräuschen in den Haltestellen- und Kreuzungsbereichen. Eine Temporeduzierung wurde ebenso gefordert wie der Einbau von dämmenden Unterschottermatten. Die Stadt lehnte aber alles ab. Doch Robert Brannekämper, stellvertretender Vorsitzender im Bezirksausschuss und CSU-Landtagsabgeordneter, gibt nicht auf, will’s jetzt genau wissen.

Im Oktober 2014 hatte die Mehrheit bei der Bürgerversammlung dafür plädiert, die Geschwindigkeit der Straßenbahn nachts (22 bis 7 Uhr) von 60 auf 50 km/h herabzusetzen, um den Lärm zu min­dern. Doch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hatte die Forderung zurückgewiesen.

Angeführt wurden seitens der MVG neben „circa zehn Prozent längeren Fahrzeiten“ eine Zweckentfremdung von Fördermitteln beim Bau der Linie mit eventueller Rückzahlung, „Einbußen bei den Fahrgeldeinnahmen, die sich vorab nicht abschätzen lassen“ sowie Verärgerung der Kunden wegen der Fahrzeitverlängerung bei jährlich rund 200 000 Fahrgästen. Außerdem würde die Höchstgeschwindigkeit eingehalten und „regelmäßig überwacht“,

In einem erneuten Vorstoß der CSU-Fraktion im Bezirksausschuss – initiiert von Xaver Finkenzeller, Kilian Mentner und Tassilo Strobl – heißt es: „Die MVG-Angaben, dass durch die Reduzierung die Frequentierung in der Bevölkerung und auch die Umsätze sinken würden, entbehren nicht nur jeder Grundlage, sie sind auch noch falsch. Zwischen 22 und 6 Uhr sind die Trambahnen nicht ausgelas­tet. Es ist nicht plausibel, wieso deshalb mit Einbußen zu rechnen ist.“

Im August verlangten dann die Mitglieder des Kommunalparlaments nach heftigen Diskussionen genaue Angaben über die Geräuschreduktion bei Tempo 50 zwischen 22 und 6 Uhr. Die Lokalpolitiker wollten zudem wissen, was der Einbau von Unterschottermasten bewirkt und wie viel solch eine Maßnahme kostet.

Anwohner der Cosimastraße beschweren sich, können nachts nicht mehr ruhig schlafen. Doch die Straßenbahn nach St. Emmeram – als „Flüstertram“ bezeichnet, weil sie ein Rasengleisbett hat – hält angeblich die Lärmgrenzwerte ein.

Anwohner der Cosimastraße beschweren sich, können nachts nicht mehr ruhig schlafen. Doch die Straßenbahn nach St. Emmeram – als „Flüstertram“ bezeichnet, weil sie ein Rasengleisbett hat – hält angeblich die Lärmgrenzwerte ein.

Brannekämper wiederholte jetzt im Kommunalparlament, was er bereits vor drei Jahren – damals auch noch in seiner Funktion als Stadtrat – dargelegt hatte.

Experten der Deutschland weit bekann­ten, vertretenen und tätigen Ingenieurgesellschaft Müller-BBM, führend in Sachen Bauakustik, hat­ten schalldämpfende Unterschottermatten laut dem Politiker „für dringend notwendig“ erachtet, die Mehrkosten mit drei Millionen Euro beziffert. Umgerechnet sind das 3000 Euro pro Quadratmeter.

Diesen Aussagen hatte die MVG in einer mit fachlichen Vermerken gespickten Stellungnahme wi­dersprochen, die das Stadtteilgremium übers zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft erhalten hatte.

Darin heißt es: „Die Behauptung im Sitzungsprotokoll des Bezirksausschusse vom 4. August 2015, dass auf den Einbau von Unterschottermatten letztlich verzichtet worden wäre, obwohl ein erstes Gutachten dies gefordert hätte, entspricht nicht den Tatsachen. Ein Gutachten, welches diese Forderung aufgestellt haben soll, existiert nicht.“

Wohlgemerkt wird ein >erstes Gutachten< angeführt. Gibt es gar eine zweite Untersuchung, die nicht als >Gutachten< bewertet wird?

„Die MVG hatte ein Ingenieurbüro, das dargelegt hat, dass man keine Unterschottermatten braucht. Ging’s dabei um finanzielle Interessen? Es wurde doch eine Flüstertram versprochen. Ich will wissen, was stimmt. Ich schreibe Schmid einen Brief“, erklärte Brannekämper bei der Dezember-Tagung des Stadtteilgremiums mit Nachdruck. Schmid, das ist sein Parteikollege Josef Schmid, zweiter Bürgermeister und Leiter des Referats für Wirtschaft und Arbeit.

Andreas Nagel von David gegen Goliath, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste, unterstützte die Idee. „Das muss aufgeklärt werden. Drei Millionen Euro und dafür weniger Lärm, vor allem in den Kreuzungen – das muss es, auf 30 Jahre gesehen, doch wert sein. Auch im Hinblick auf neu zu bauende Strecken“, so Nagel.

Die Lokalpolitiker waren allesamt mit Brannekämpers Vorgehen einverstanden. Auf Vorschlag von CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller votierte das Plenum sodann für eine „qualifizierte Vertagung, bis Josef Schmid den Brief beantwortet hat“. Man darf gespannt sein, ob irgendwann mal Ruhe einkehrt.

Alexander MihatschTram-Linien 16/18: Von wegen „Flüstertram“