Wohnungen statt BVK-Trakt? „Noch zu früh“

31. August 2018

Die Pläne der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), an der Richard-Strauss-Straße 76 auf dem einstigen, 20 400 Quadratmeter großen Siemens-Gelände drei Türme – 40, 60 und 115 Meter hoch, mit elf, 16 und 30 Geschossen ausschließlich für Büronutzungen – zu bauen, haben hohe Wellen geschlagen. Das gleiche gilt für die künftige Nutzung der bestehenden Verwaltungsgebäude an der Denninger- und Arabellastraße. „Darüber heute eine Aussage zu treffen, ist nicht der richtige Zeit­punkt, ist noch zu früh, es gibt verschiedene Überlegungen“, erklärte BBK-Pressesprecherin Maike Kolbeck auf eine diesbezügliche Nachfrage.

Die Mitglieder des Bezirksausschusses waren vor kurzem aufgebracht, weil eine zugesagte Um­wandlung der vier Gebäude am bestehenden Standort mit etwa 34 000 Quadratmeter Bürofläche in Wohnraum nicht bestätigt wurde. Der einstimmige Beschluss: Ohne juristisch wasserdichte Zusage, auf 50 Prozent des Areals im Arabellapark Mietwohnungen zu realisieren, werden das BVK-Projekt für eine neue Zentrale und die weiteren Pläne bis dahin nicht weiter verfolgt.

Wegen der Nachnutzung der Flächen an der Denninger- und Arabellastraße hatte sich Robert Brannekämper, Vize-Vorsitzender des Bezirksausschusses und CSU-Landtagsabgeordneter, in einem Offenen Brief an Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter gewandt:

„Nicht berücksichtigt ist die vom Vorstandsvorsitzenden (Anm. d. Red: Daniel Just) ursprünglich mir gegenüber zugesagte Umwandlung der alten Bürostandorte in Wohnraum, die angesichts der um 500 Stellen anwachsenden Belegschaft dringend notwendig und unabdingbar ist. Hier gibt es bislang nur eine vage Absichtserklärung der Versorgungskammer, aber keine konkreten Zusagen hinsichtlich der Umwandlung dieser Flächen in eine Wohnnutzung. Nur wenn Wohnungen Teil des Konzepts der BVK für ihre gut erschlossenen bisherigen Flächen werden, kann auch die Planung für ihre neue Konzernzentrale weiter diskutiert werden. Bitte nutzen Sie ihre Möglichkeiten, auf die Stadtbaurätin einzuwirken, damit diese die auch vom Bezirksausschuss favorisierte Lösung mit einer Wohnnutzung auf den Weg bringt.“

Der Haupteingang des vier Gebäude mit 34 000 Quadratmeter Bürofläche umfassenden Komplexes der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) an der Denninger Straße. Wie werden die Gebäude nach dem Neubau der BVK-Zentrale an der Richard-Strauss-Strasse genutzt? Foto: hgb

Im Kommunalparlament hatte Brannekämper erklärt: „Es darf keine einseitige Nutzung geben, es muss eine Mischung her. Wir wollen am Schluss nicht nur eine Hausmeisterwohnung. Wir wissen ja, wie das läuft. Das Planungsreferat muss sich einschalten.“ Zudem hatte er einmal mehr moniert, dass „es keinen Masterplan für den idealen Wohnstandort Arabellapark, für dieses vielseitige Areal gibt.“

Zu alldem erläutert Kolbeck: „Die vier Gebäude gehören drei verschiedenen Versorgungswerken innerhalb der BVK. Jedes der drei ist rechtlich unabhängig, entscheidet für sich selbst. Ein Abriss wäre Irrsinn. Bei einem der Gebäude aus den achtziger Jahren wäre es schwierig, es für Wohnun­gen herzurichten. Und bei den drei anderen wäre es nicht sinnvoll.

Zu besagten 500 neuen Mitarbeitern, die ein BVK-Vertreter im Untergremium Planung genannt hatte, stellt sich folglich die Frage, wo diese einmal wohnen sollen. Eine klare Antwort seitens der BVK – eine dem Innenministerium nachgeordnete Behörde mit einem Dutzend Altersvorsorgeein­richtungen ohne Gewinnabsichten, mit einem Kapitalanlagevolumen von mehr als 72 Milliarden (!) Euro – gibt es (noch) nicht. Von den Stand Ende vergangenen Dezember 1274 Beschäftigen wohnen übrigens rund 20 Prozent in unternehmenseigenen vier Wänden.

Fakt ist, dass die BVK ein großer Wohnungsvermieter ist. In Deutschland sind es 12 455 Einheiten, davon knapp 7000 in München und, so Kolbeck, „472 Wohnungen in Bogenhausen an verschiede­nen Stellen.“ Darunter ein Trakt mit 28 Einheiten samt Kinderkrippe neben dem schwungvollen Bürokomplex Arabeska im Arabellapark und an der Ambergerstraße.

Kommentar von Bezirksausschuss-Vorsitzender Angelika Pilz-Strasser : „So wie das Projektpaket vorgestellt wurde, ist es nicht zu machen. Wohnungen am Denninger Anger, die auch für Normalverdiener erschwinglich sind, sind städtebaulich notwendig. Das erwarte ich von der BVK.“

Und wie geht’s weiter? Im Herbst führt die BVK mit zwölf Architekturbüros einen Wettbewerb zur Bebauung – dafür wurde die Projektgesellschaft RS 76 mit einem Logo, das die drei Hochhäuser erahnen lässt, gegründet – an der Richard-Straus-Straße durch. Das Ergebnis daraus soll bis Anfang November vorliegen.

Alexander MihatschWohnungen statt BVK-Trakt? „Noch zu früh“