Aus direkt betroffenen Bürgern – und nur die, keine Interessierten, auch keine Medienvertreter – Beteiligte machen, mit ihnen reden, ihnen zuhören. Statt sie zum Zeitpunkt x vor vollendete Tatsachen zu stellen, wenn ein Bauherr oder Investor bereits einen Vertrag unterzeichnet haben und dann die Menschen zu informieren, was geplant ist oder gar schon feststeht, was gemacht wird. 

Das war der Hintergrund zu einer Einladung, zu einem „Anwohnergespräch“ per Hauswurfsendung, von Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter und CSU-Fraktionssprecher im Kommunalparlament, Jens Luther, Stadtrat und Mitglied des Bezirksausschusses, und Florian Ring, Vize-Vorsitzender der Stadtteilvertretung.  

Thema: „Zukunft des Grundstücks der Nazarethkirche.“ Verpachten? Verkauf? Was wird aus dem denkmalgeschützten Koloss an der Barbarossastraße in der Parkstadt Bogenhausen, von dem sich die evangelische Gemeinde bereits im September 2025 mit einem letzten Gottesdienst verabschiedet hatte. Grundsätzliche Anmerkung: wie sieht eigentlich der bauliche Zustand der Kirche – Baujahr 1961 – aus? 

Also: Verpachten? Verkauf? Zu beiden Varianten gibt es offensichtlich Überlegungen. Im Gespräch ist die Äthiopisch-Orthodoxe Kirchengemeinde, mehr als 3000 Mitglieder in Bayern, in München sind’s laut dem evangelischen Stadtdekan Bernhard Liess etwa 350, aktueller Sitz mit Zentrum ist an der Riesstraße in Moosach. 

„Eine solche Änderung bringt natürlich verschiedene Auswirkungen mit sich und wirft Fragen auf, die nach Klarheit, Information, Augenmaß sowie substanzieller Bürgerbeteiligung verlangen,“ heißt es in dem Einladungsschreiben. Und weiter: „Wir sind überzeugt, Stadtplanung darf nicht über die Köpfe der Menschen hinweg gemacht werden. Gerade dort, wo es um planerische Umnutzung gewachsener Stadtteilstrukturen geht, braucht es Offenheit, Respekt der Einwohner Interessen und dem ernsthaften Willen zum Dialog. Dieser Abend soll dafür ein erster Schritt sein.“ 

Keine Einladung erhielten, wie die Pressevertreter, auch die sieben weiteren im Bezirksausschuss vertretenen Parteien. Das passte vielen Lokalpolitikern natürlich nicht in den Kram – vor allem jenen von den Grünen. Die suchten – wie so oft – nach einem Kritikansatz und fanden diesen vermeintlich im Briefkopf der Einladung. Über Brannekämpers Namen steht ein Logo des Bayerischen Landtags, über Luthers und Rings Namen kleine Stadtwappen mit dem Münchner Kindl. 

Das Münchner Kindl war das gesuchte Haar in der Suppe. „Stadtwappen auf einen Flyer, das geht nicht, das ist eine Grenzüberschreitung“, zappelte Samuel Moser, 28 Jahre jung, der neue Vorsitzende des Bogenhauser Kommunalparlaments. Sein Kollege Fabian Sauer rumpelte: „Es geht der CSU darum, ein Aufregerthema zu finden. Das ist der Ernsthaftigkeit der Sache nicht gerecht.“ 

So wurde aus einem lokalpolitischen Anliegen ein großes Thema, per Flurfunk ein medialer Aufstand über den 13. Stadtbezirk hinaus, in ganz München, ja in Teilen des Freistaats. Luther konterte Moser locker: „Die Verwendung des Wappens ist Stadträten und Mitgliedern eines Bezirksausschusses erlaubt, das ist zulässig. Es geht darum, gemeinsam zu gestalten.“ 

Und Luther hat Recht. Stadtrats- und Bezirksausschuss-Mitglieder dürfen das Hoheitszeichen verwenden. Bei Parteiveranstaltungen ist es aber nicht erlaubt. In der Einladung steht kein CSU-Hinweis, kein CSU-Logo  

Dank Moser & Co. War der Stein war ins Rollen gebracht, eine Kettenreaktion. Zwei Tage nach dem Anwohnergespräch folgte ein Schreiben „an alle ehrenamtlichen Stadtratsmitglieder, an alle ehrenamtlichen BA-Mitglieder“ vom grünen Oberbürgermeister Dominik Krause. Diese Vorlage liegt unser-bogenhausen.de vor (Auszüge; bearbeitet) – Kernpunkt:  

„Das Münchner Kindl ist ein wichtiges Hoheitszeichen. Das kleine Stadtwappen darf (etwa in Signaturen oder auf Briefköpfen) von ehrenamtlichen Stadtratsmitgliedern und Mitgliedern der Bezirksausschüsse in Ausübung ihres Mandates benutzt werden. Hinweise auf die Fraktions- und Parteizugehörigkeit sowie den Beruf in unmittelbarem Zusammenhang damit sind nicht zulässig.“  

So weit, so gut. Die aktuelle Print-Trockenheitsperiodenutzte die >Abendzeitung<, Untertitel „Die ist gut“, für einen einseitigen Bericht samt Headline auf der Titelseite. Vorzeile: „CSU gegen äthiopische Christen.“ Schlagzeile: „Bizarr! Kirchen-Streit im feinen Bogenhausen.“ Einmal mehr Kleister auf das Klischee vom „feinen Bogenhausen“. Als ob es im Stadtteil nur Villen im Herzogpark und Altbogenhausen sowie Prunkbauten wie den HVB-Tower, keine Probleme in Randbezirken gibt. Ist das gut? 

Was wird aus der evangelischen Nazarethkirche in der Parkstadt Bogenhausen? Verpachtung? Verkauf?   Foto: hgb