Muspillistraße 8: Haus nicht verkaufen

28. Mai 2016

Per Dringlichkeitsantrag im Kommunalparlament fordert die Fraktion der Grünen die Stadt auf, das in ihrem Besitz befindliche Gebäude Muspillistraße 8 in Oberföhring „auf keinen Fall zu verkaufen und mit dem Bezirksausschuss über die Weiternutzung zu sprechen“. Dem Ansinnen stimmten die Lokalpolitiker einhellig zu.

Initiatorin Paula Sippl führt in der Begründung an: „In Zeiten von Wohnungsnot, von Mangel an Kin­derbetreuungsplätzen, Jugendeinrichtungen und kulturellen Angeboten sind städtische Immobilien notwendig, um den Bedarf zu decken.“ Laut ihren Ausführungen bei der Tagung des Stadtteilgremi­ums sind für das Anwesen samt 470 Quadratmeter großem Grundstück 670 000 Euro aufgerufen.

Diese Information deckt sich mit der Angabe auf der städtischen Internetseite des Kommunalrefe­rats. Die angeführte Summe wird darin als „Mindestkaufpreis“ genannt, das „Bewerbungsende ist Montag, 23.Mai 2016, 12 Uhr“.

Unter „Lage und Umfeld“ heißt es: „Das Grundstück liegt in ruhiger, gesuchter Wohnlage im Stadtgebiet mit guter verkehrlicher Anbindung und sehr hohem Naherholungswert im Stadtteil. Die Isar und der nördliche Teil des Englischen Gartens liegen westlich in nur 200 m Entfernung.

Die Südseite des anno 1873 errichteten und etwa 1928 umgebauten Gebäudes an der Muspillistraße.   Fotos: Stadt München

Die Südseite des anno 1873 errichteten und etwa 1928 umgebauten Gebäudes an der Muspillistraße. Fotos: Stadt München

Die Muspillistraße ist eine ruhige Ringstraße um den historischen Dorfkern in einer Tempo-30-Zone.“ Und weiter:

„Kulturelle und soziale Einrichtungen sind ebenso wie Möglichkeiten zur Deckung des täglichen Bedarfs in einer fußläufigen Entfernung an der Oberföhringer Straße begrenzt vorhanden; ein umfangreiches Angebot ist am Arabellapark mit dem ÖPNV in 15 Minuten erreichbar.“

Auszüge des Punkts Grundstücksbeschreibung/Nutzungsrechte: „Das Grundstück ist mit einem derzeit nicht bewohnbaren, leerstehenden Wohngebäude bebaut, an dessen Südseite sich ein eingezäunter Garten erstreckt. Im Erdgeschoss werden zwei Zimmer, zusammen rund 35 m², als Aufbahrungsräumlichkeiten für die auf dem angrenzenden Kirchfriedhof St. Lorenz stattfindenden Bestattungen genutzt und sind zu diesem Zweck an die Städtische Bestattung unentgeltlich zu überlassen.

Dieses Nutzungsrecht zugunsten der Stadt wird als Dienstbarkeit dauerhaft ins Grund­buch eingetragen. Das Haus ist in die Denkmalliste eingetragen als „Feuer- und Leichenhaus, bau­ernhausartiger Satteldachbau um 1873“. Alle Baumaßnahmen bedürfen auch der Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde.“

Gemäß Ausschreibung wurde das zweigeschossige Gebäude „mit Satteldach, nicht unterkellert, circa 1928 umgebaut. Es weist massive Schäden, insbesondere Schimmelschäden auf. Ein Teil des 1. OG ist einsturzgefährdet.“ Laut Sachverständigen-Gutachten vom Juli 2014 ergab „eine über­schlägige Schätzung Restaurierungskosten von rund 710.000 €, das sind 3.550 €/m².“

Die Geschichte der heutigen Muspillistraße 8: Anfang des 19. Jahrhunderts war der Weber Andrä Peitinger Besitzer Hauses, genannt „zum Kirchenweber“. 1872 kaufte die Gemeinde Oberföhring das Anwesen neben dem Kirchhof, riss das baufällige Gebäude ab und errichtete 1873 ein neues Haus für die Gemeinde mit einem Leichen- und Wärterzimmer, einer Remise für Löschgerätschaf­ten, vier Zimmern für Arme und einem Beratungszimmer. Bis 1979 benutzte die Freiwillige Feuer­wehr Oberföhring den Bau als Feuerwehrhaus, ehe sie in die Muspillistraße 25 umzog.

Alexander MihatschMuspillistraße 8: Haus nicht verkaufen